Laufen durch mein Revier – 2. Vivawest Marathon

2014_05_18_vivawest_01Lang ist’s her, dass ich den letzten Halbmarathon gelaufen bin. Dieses Jahr sollte aber wieder ein längerer Wettkamp dabei sein. Da der Vivawest fast vor meiner Haustür stattfindet, bot es sich an, diesen mal genauer in Betracht zu ziehen.

Um so mehr freute es mich, dass meine Firma wieder die Anmeldung für den Vivawest Marathon übernehmen wollte. Vielen Dank dafür. Ich habe mich schon Anfang Dezember für den Halbmarathon angemeldet und konnte mich so ordentlich vorbereiten. Mein Plan stand also fest und zeigte das erste Wettkampfziel für 2014 auf.

Ab diesem Zeitpunkt schickte das Veranstalterteam (via MMP Veranstaltungs und Vermarktungs GmbH) regelmäßig Informationen, mit denen man sich auf dem Laufenden halten konnte – vorbildlich.

Die Trainingszeit in diesem milden Winter im Ruhrgebeat verlief regelmäßig und weder Schnee noch übermäßig kalte Temperaturen zwangen die LäuferInnen dazu, Läufe auszusetzen oder das Training zu unterbrechen.

Und ruckzuck war es schon April 2014. Ende des Monats kam dann die Anmeldebestätigung mit Startnummer, Angabe des Startblocks und der Startzeit. Weiterhin gab es ein zehnseitiges PDF inkl. Teilnahmebestäigung, welche zur Anmeldung mitgebracht werden musste. Darin fanden sich wirklich alle Informationen inkl. Lageplan des Start/Ziel-Bereichs, Lageplan der Behelfsparkplätze an der Veltins Arena und einer Checklist mit ToDo’s für vor dem Lauf und am Tag des Laufes. Mit den ganzen Infos sollten kaum noch Fragen übrig bleiben.

Vor dem Lauf – Marathonmesse

Von Freitag (16.05.) bis Samstag (17.05.) konnte man vorab die Startunterlagen abholen, was ich auch tat, da Gelsenkirchen, und speziell das Musiktheater ohne Umweg auf dem nach Hause Weg für mich zu erreichen sind. Ich guckte mir auch direkt den Freitag aus, da das am Besten passte.

Gegen 12:30 hatte ich die Messe erreicht, welche sich direkt neben dem Musiktheater Gelsenkirchen befand und war angenehm überrascht, wie wenig noch los war. So konnte ich in aller Ruhe meine Unterlagen abholen.

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Danach nahm ich mir die Zeit, mir die einzelnen Stände anzuschauen und nach interessanten Produkten Ausschau zu halten. Fast zwei Drittel der Halle hatte sich Laufsport Bunert Essen reserviert. Diese hatten nahezu alle namhaften Marken im Programm.

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Neben Produkten von Brooks konnte man u.a. Adidas, Mizuno und Saucony bei ihnen sehen. Jede Marke hatte einen eigenen Bereich, so dass es aussah, als wenn die einzelnen Hersteller dort selbst vertreten gewesen wären. Neben dem Stand von CEP (vermutlich auch Bunert) waren auch Runnerspoint (mit goßem Bereich für New Balance) und der Laden Lauflust (www.lauflust.de) sowie einige kleinere Aussteller für Laufzubehör vertreten. An einem der Stände kaufe ich mir einen neuen Gel-Gurt mit Halterung für Startnummern. Mein alter Gurt war nicht so optimal.

2014_05_18_vivawest_26Und dann fiel mir noch der Stand der Firma Salming aus Schweden auf. Diese warben mit Schuhen für Natural Running. Also war das quasi ein Pflichtbesuch. Mein Gesprächspartner war sehr nett und hat nahezu alle Fragen zu den Schuhen beantworten können. Man bekommt verschiedene Modelle, die den Läufer / die Läuferin an das natürlich Laufen heranführen sollen. Bis hin zum Racer, der das direkteste Modell ist, am wenigsten Dämpfung hat und extrem flexibel ist. Nach etwa 185g für US9 (EUR 43) fühlt er sich auch an. Angenehm leicht am Fuß, bequem und laut Salming auch für das Laufen ohne Socken geeignet. Beim Test mit der Hand sind mir keine störenden Nähte aufgefallen. In jedem Fall ein interessanter Schuh. Ab nach Hause.

2014_05_18_vivawest_27Vor dem Lauf – im Startblock

Ich hatte mir vorher ausgeguckt, wo ich parken könnte. Umso entspannter gestaltete sich die Parkplatzsuche, da ich genau dort einen Parkplatz finden konnte. Ich wollte auch unbedingt den Kleiderbeutel abgeben, da ich in der Regel alleine zu den Veranstaltungen fahre und nur Sachen deponieren kann, wenn es abschließbare Schränke gibt oder Kleiderbeutel abgegeben werden können – so wie hier. Also vom Auto aus ca. 5-10 Minuten bis zum Sportplatz gehen, an dem die Kleiderbeutel abgegeben werden konnten. Bis auf wenige Sachen hatte ich schon alles angezogen und trockene Wechselsachen in den Beutel gepackt. Auf dem Sportplatz war schon reges Treiben. Trotzdem war es nicht überlaufen, da die Abgabe nach Startnummernbereiche aufgeteilt war so dass sich kein Stau bildete. Es gab hier auch eine Umkleide mit Duschen, die ich aber nicht nutzen wollte.

2014_05_18_vivawest_07Auf dem Weg zum Startblock konnte ich eine Menge bekannter Gesichter ausmachen, von LäuferInnen, die ich von Facebook her kannte. Einen Teil der Leute kannte ich gut genug, um kurz mit ihnen zu sprechen. Durch die Einteilung in die Startgruppen musste ich bis spätestens 8:40 Uhr im Startblock sein – kein Problem.2014_05_18_vivawest_06  2014_05_18_vivawest_12  2014_05_18_vivawest_15

Die Atmosphäre im Startbereich war klasse. Ich denke, dass nicht zuletzt das sonnige Wetter und die milden Temperaturen dazu beigetragen haben, dass Aktive und Zuschauer bester Laune waren. Im Startblock traf ich dann auch einen Arbeitskollegen. Er hatte etwa das gleiche Zeitziel gesetzt, also wollten wir, so wie es möglich ist, zusammen laufen.

Dazu mussten wir aber erst mal starten. Und kurz vor 9 Uhr meldete dann die Rennleitung, dass sich der Start wegen falsch geparkter Autos um 5-10 Minuten verzögern würde. Super! Dass da am Ende 35 Minuten draus würden, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen. Also warteten wir und lauschten dem Moderator und Jan Fitschen, die versuchten, die Zeit bis zum Start mit Infos und Tipps zu überbrücken.

Temperatur: Tendenz steigend

Ich will mich nicht beschweren, denn das Wetter hat es wirklich gut gemeint – aber leider zu gut. Dazu später mehr. Jetzt ging es aber erst mal los. Da im ersten Startblock offensichtlich wirklich nur schnellere LäuferInnen unterwegs waren, kamen wir zügig in Fahrt und die ersten Meter waren schnell geschafft. Auf der Florastraße gab es nach etwa 200m schon die erste große Senke (eine Art Hügel, aber nach unten) in der Straße. Diese sollte man sich gut merken, denn die musste man am Ende nochmal durchlaufen, kurz vor dem Ziel. Etwa bei km 3 überquerten wir das erste Mal eine Stadtgrenze und zwar die nach Essen. Die ersten fünf Kilometer ging es durch typische Ruhrgebiets-Siedlungen. Gelsenkirchen bietet hier, wie viele andere Städte im Ruhrgebiet auch, noch eine Menge Ecken, in denen die alten Bergarbeiter Siedlungen noch sehr stark den Charakter der Bebauung prägen. Hier und da sitzen ein paar Anwohner mit Gartenmöbeln in ihren Einfahrten oder auf dem Gehweg und verfolgen die Aktiven. Die Meisten von ihnen feuern die LäuferInnen sogar an. Die Strecke ist allerdings etwas welliger, als viele es sich gedacht haben.

Von der Gelsenkirchener Straße in Essen bogen wir auf eine ca. 3km lange Schleife rund um die Zeche Zollverein ab. Bereits die Straße ist von Zuschauern gesäumt, die den LäuferInnen applaudieren und Motivation spenden. Die Stimmung auf dem Gelände ist ebenso gut und für Viele sind genau das immer wieder die Punkte, an denen die eigene Motivation einen neuen Schub bekommt. Man kann den anfeuernden Zuschauern an der Strecke nicht genug dafür danken. Ein ehemaliger „Kumpel“, so nennt man die Bergleute hier im Revier, stand an der Strecke und sorgte kurz vor dem Verpflegungspunkt für gute Stimmung – einfach genial!

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(c) Catfun-Foto

Ich hatte keine Ahnung, dass man in einem solch großen Bogen um Zollverein herum laufen kann. Der Charme des UNESCO-Weltrerbes Zollverein ist industriell, aber mittlerweile so aufgehübscht, dass sich das Gelände nicht nur für einen Besuch der Museen (z. B. Ruhr Museum und RedDot) lohnt, sondern man kann auch noch einen schönen Spaziergang machen.

Einen Kilometer nach dem zweiten Verpflegungpunkt trennte sich dann die Marathon- von der Halbmarathonstrecke. Während die Marathonis weiter Richtung Essen laufen, biegen die LäuferInnen vom HM ab und laufen einmal um Zollverein herum, um dann den Radweg Richtung Nordsternpark zu nehmen. Zu meinem Schrecken stellte ich auch fest, dass es im Laufe des Rennens vermutlich doch wärmer würde, als ich dachte – keine Zeit sich zu beklagen! Dennoch bis hierher ist alles okay und ich schaue auch das erste Mal bewusst auf die Uhr: Pace passt!

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(c) Catfun-Foto

Bis hierher habe ich meine Arbeitskollegen nur mit einem Blick zurück sehen können. Allerdings habe ich den Lauf etwas schneller begonnen als geplant und kann jetzt eher entspannt und mit etwas langsamerem Pace laufen. Langsam wird es auch Zeit für ein erstes Gel. Es kommen ja noch ein paar Kilometer. Zum Beispiel die knapp 5km auf diesem Radweg. Hier war jetzt verständlicher Weise nicht ganz so viel mit Zuschauern. Allerdings dann, wenn Brücken den Radweg kreutzen, standen dort immer ein paar Schaulustige, die winkten und … schauten. Besonders auf diesem asphaltierten Weg merkt man die Hitze, die teilwesie einfach steht. Kühlung ist hier Fehlanzeige.

Irgendwann schließt mein Arbeitskollege dann auf, erkundigt sich kurz nach meinem Befinden und wir laufen zusammen bis man die Zeche Nordstern schon sehen kann. Wir können recht konstant mit einem Pace um 4:30min/km laufen. Der Rhein-Herne-Kanal und die Grenze zu Gelsenkirchen werden überquert und wir nähern uns dem Nordsternpark.

Auf dem Gelände der Zeche Nordstern ist dann wieder der Bär los. Hier ist auch die Vivawest Wohnen GmbH ansässig, die dem Lauf als Hauptsponsor den Namen gibt. Und die Marathonstrecke trifft hier auch wieder mit der Strecke des HM zusammen. Entlang der Strecke und rund um den Verpflegungspunkt sind viele Zuschauer und feuern die LäuferInnen an. Hier ist etwa km 15,5 und ich merke zum ersten Mal, dass die Wärme ihren Tribut fordert. Obwohl ich mich beim Pace nicht übernommen habe, muss ich jetzt etwas Tempo rausnehmen. Ich möchte schließlich noch in einem vernünftigen Tempo im Ziel ankommen und nicht ständig gehen müssen oder gar ganz aufhören müssen. Dafür sind die Umstände noch nicht extrem genug und ein DNF wäre höchstens mit unvernünftigem Verhalten zu erreichen.

Wenn man aus dem Nordsternpark nach Hessler kommt, läuft man wieder hauptsächlich auf Straße und durch Siedlungen. Aber immerhin hat man schon knapp km 17 erreicht und damit nicht mehr allzuviel vor sich. Die Tageszeit schreitet jetzt stramm auf den Mittag zu und die Sonne hält sich nicht an die abgemachten Temperaturen. Wie später auf den Bildern der diversen Gallerien (z. B. Catfun-Foto) zu sehen ist, wurden hier einige der MarathonläuferInnen mit einem Gartenschlauch abgekühlt. Die sind noch deutlich später hier vorbei gekommen und da war es sicher nicht kühler als jetzt.

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Auf der breiten Hans-Bäumler-Allee suchen alle LäuferInnen den Schatten in der Mitte der Straße und ich selbst nehme mir beim letzten Verpflegungspunkt ein paar Sekunden Zeit, um mich abzukühlen. Dieser liegt unter einer Autobahnbrücke und bietet Schatten.

Das tat wirklich gut und die letzten drei Kilometer laufen fokussiert. Obwohl ein zu langer Stopp im letzten Viertel eines HM bei mir bisher immer dafür sorgte, dass sich meine Beine schwer wie Blei anfühlten, habe ich diesmal wohl den richtigen Zeitpunkt zum wieder Loslaufen erwischt. Es geht durch noch ein paar Häuserschluchten, bis wir die Kreuzung auf die Feldmarkstraße erreichen. An dieser Kreuzung sind wir zu Beginn des Laufs in die gegenüber liegende Richtung abgebogen.

Die Feldmarkstraße ist ab dieser Kreuzung wieder mit vielen Zuschauern gesäumt, die den Läufern zujubeln und sie anfeuern. Anfangs wies ich auf diese Senke hin, die jetzt kurz vor dem Ende noch mal durchlaufen werden müsse. Viele müssen den Anstieg gehen. Und das so kurz vor dem Ende. Noch knapp 300m bis zur Overwegstraße, auf der sich das Zieltor befindet. Ich mache kurze Schritte und kann im Laufmodus bleiben bis ich die Senke durchlaufen habe.

Noch einmal abbiegen und schon kann man die Atmosphäre des Zieleinlaufs voll aufsaugen. Die Zuschauer sind wirklich klasse und übertönen sogar noch die Musik im Zielbereich. Angefeuert wird jeder, der gerade reinkommt. Egal ob man ihn kennt, oder nicht. Die Stimmung ist echt klasse und ich lasse mich von ihr die letzten hundert Meter ins Ziel tragen. Dann überlaufe ich die Ziellinien … Uhr stoppen … entspannen!

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(c) Catfun-Foto, linkes Bild

Nachdem ich mir die Teilnehmermedaille habe umhängen lassen, gehe ich zu einem der vielen Verpflegungsstände um Wasser zu trinken und ein Stück Banane zu essen. Obwohl ich 600ml Isogetränk dabei hatte, fühle ich mich als wenn ich eine Badewanne austrinken könnte. Es war wohl doch wärmer, als ich dachte, obwohl ich mich zwar erschöpft, aber nicht total am Ende fühlte. Langsam denke ich, dass mein Flüssigkeitsstandanzeiger wieder in den grünen Bereich kommt, bevor ich mich zum Sportplatz aufmachen.

Der Weg dorthin ist klasse, um in Bewegung zu bleiben und die Beine etwas zu lockern. Die Herausgabe des Kleiderbeutel klappt perfekt und ich dehne mich noch ein wenig, bevor ich mir trockene Sachen anziehe und mich auf den Rückweg zum Auto mache.

2014_05_18_vivawest_08Viele der LäuferInnen kommen mir jetzt entgegen und ich werfe noch einen Blick in den Zielbereich, bevor ich endgültig zum Auto gehe. Ein schöner Lauf, für mich persönlich eine Spur zu warm, aber von der Stimmung und dem Charakter der Strecke her genial.

Für 2015 habe ich mir den Vivawest auf jeden Fall vorgemerkt, 2016 dann vielleicht als Marathon? Wer weiß!

 

Für die Akten (mit Links zu den Testberichten der einzelnen Artikel): unterwegs war ich diesmal in den Merrell Road Glove 3, die perfekt funktionert haben; Fullsocks und 3/4 Tight von CEP, wie immer genial, aber die 3/4 Tight eine Spur zu warm; unserem Firmenshirt; dem Garmin FR305, tadellos; einer Brooks Cap, einfach klasse; sowie einer Ultimate Direction Fast Draw Extrem Trinkflasche, die mir in den letzten Monaten für die langen Läufe (länger 60min) ans Herz gewachsen ist.

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