94. Bertlicher Straßenläufe – eiskalt übers Land

94. Bertlicher StraßenläufeDie Bertlicher Straßenläufe in Recklinghausen-Herten waren schon seit Längerem auf meiner To-Do-Liste an Veranstaltungen in der Umgebung. Bisher hatten sie aber zeitlich nicht so recht in die Planung gepasst. Der HM am 30.11. sollte es aber diesmal sein. Mit einer vagen Vorstellung und gut vorbereitet fuhr ich also nach Bertlich.

Vor dem Lauf

Die Bertlicher Straßenläufe finden zu drei Terminen im Jahr statt. Einmal im Februar, dann im September und im November. So verwundert es nicht, dass es sich diesmal schon um die 94. Auflage handelt. Trotzdem eine stolze Anzahl von Jahren. Schaut man sich die Starterlisten an, besser gesagt, die Ergebnisliste, dann fällt auf, dass der Anteil an TeilnehmerInnen aus Leichtathletikvereinen und mehr oder weniger organisierten Laufclubs sehr hoch ist. Zumindest kommt mir das so vor. Was Bertlich auszeichnet, sind die verschiedenen Distanzen, welche angeboten werden. Die Jüngsten laufen 850m und die Jugend bzw. die Erwachsenen laufen 5km, 7,5km, 10km, 15km, Halbmarathon, 30km oder Marathon (DLV-konform). Mit etwa 850 TeilnehmerInnen verteilt auf alle Läufe, ist es zwar sehr aufgelockert, aber keine ganz so kleiner Veranstaltung. Die Anmeldung geht nur vor Ort am Veranstaltungstag ab 8:00 Uhr bis jeweils 30 Minuten vor dem jeweiligen Start. Das ist auch der Grund dafür, warum es keine Starterlisten gibt. Grundsätzlich macht die Veranstaltung einen familiären Eindruck, was ich mittlerweile sehr schätze. Hier und da geht auch mal „Groß“, aber im Grunde liegen mir mehr diese kleinen Volksläufe.
Da der Halbmarathon für 10:40 Uhr angesetzt ist, habe ich keinen Stress und kann in Ruhe wach werden und frühstücken. Da es Ende November gerne auch mal kalt ist, ziehe ich mich nicht ganz so dünn an. Eine Woche vor dem Lauf war das Wetter für den 30.11. noch mit 10-12° angegeben. Daraus wurde leider nichts und wir mussten uns mit 4° und bedecktem Himmel zufrieden geben. Zumindest regnete es nicht! Vorsichtshalber habe ich auch ein paar dünne Handschuhe eingepackt, man weiß ja nie. Gegen 9:00 startete ich das Navi und fuhr los.

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Das Parken war problemlos auf den kostenlosen Parkplätzen rund um den großen Supermarkt möglich. Nach einem kurzen Fußweg erreichte ich die Sportanlage des SUS Bertlich 1945. Auf dem Sportplatz war für einige Läufe der Start und für alle das Ziel. In der benachbarten Schule war die Anmeldung zu den Läufen. Ich hatte die Anmeldekarte schon zuhause ausgefüllt und die Anmeldung selbst war unkompliziert und sehr zügig. Hier traf ich einen ehemaligen SOL-Kollegen, der später den Halbmarathon auf Platz 2 seiner AK beenden sollte. In der Glück-Auf-Sporthalle war die Umkleide der Männer, sowie die Aufbewahrung der Wertsachen. Die Taschen konnten in einem bewachten Bereich der Halle abgelegt werden und die Wertsachen wurden in einem Extraraum gelagert. Bestens organisiert. Vielen Dank schon mal an die netten freiwilligen HelferInnen.
Ich entschloss mich neben der ¾ CEP zu den CEP Merino Socks, einem Kurzarmshirt mit Half-ZIP drüber, Mütze und Handschuhen. Wie sich herausstellen sollte, keine schlechte Wahl.
Da ich noch eine Menge Zeit hatte, machte ich noch ein paar Bilder. Gerade hatte der Start des 15km Laufes begonnen und ich konnte ein paar bekannte Gesichter erkennen.
Ich lief mich dann tatsächlich warm. Es war doch so kalt, dass ich nicht schon am Start frieren wollte. Der HM-Start lag etwa 300-400m die Straße rauf und so konnte ich schon mal ein wenig Traben und die Beine locker machen. Im Startbereich bewegte ich mich weiter, um gar nicht erst kalt zu werden. Kurz vor dem Start stellten sich alle auf und ich suchte mir einen angemessenen Platz. Irgendwie hatte ich noch etwas mit dem MP3-Player zu kämpfen, so dass ich nicht mitbekam, wie schnell die letzten Minuten und Sekunden vergingen. Ich wurde gerade fertig, als man auch schon das „Auf die Plätze!“ hörte.

Der Lauf (Halbmarathon)

Auf den Bildern sieht man verschiedene Starts (5km, 10km, 30km, Marathon). Diese finden teilweise auch an anderen Stellen, rund um den Sportplatz herum, statt.

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(Fotos by www.catfunfoto.de)

Der Startschuß fiel ohne „Fertig!“ – wie fast immer. Und fast immer kommt es für mich trotzdem ein wenig überraschend. Start ohne Chip heißt, dass man immer ein paar Sekunden Differenz zum Überqueren der Startlinie hat. Da ich recht weit vorne stand, konnten das aber nur etwa 3 Sekunden sein. Spielt für einen Hobbyläufer auch nur statistisch eine Rolle. Ich finde, die Bertlicher Straßenläufe tragen ihren Namen nicht zu Unrecht, da ein großer Teil der Strecke über asphaltierte Wege und Straßen geht. Die Einschätzung anderer Läufer, die ich im Vorfeld zum Profil der Strecke befragt hatte, konnte ich aber nicht teilen. Da deckte sich eher mein Eindruck aus dem Höhenprofil auf www.gpsies.com. Nach einem anfänglichen Gefälle ging es erst mal schön langgestreckt aufwärts.

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(Fotos by www.catfunfoto.de)

Ein Wirtschaftsweg über ein Feld führte uns über eine Kuppe. Danach fiel die Strecke wieder leicht ab. Die nächsten drei Kilometer verlief die Strecke dann wieder leicht ansteigen, bis zum höchsten Punkt der Strecke. Das zog sich ganz schön und ich war froh, dass ich diesen Teil in der zweiten Runde nicht mehr laufen musste. Bis hierher sind knapp eine halbe Stunde vergangen. Meine TomTom vibrierte artig zu jedem Kilometer und die deckten sich ziemlich gut mit den ausgeschilderten Hinweisen. Apropos Hinweise: jeder, der sich hier auf der Strecke verläuft oder auch nur einmal falsch abbiegt, sollte sich ernsthaft untersuchen lassen. Die Schilder sind wirklich groß und sie sind eindeutig beschriftet. Jede Distanz hat zusätzlich eine eigene Startnummernfarbe und selbst wenn man es nicht schafft zu lesen, kann man der Farbe einen Pfeil zuordnen und erkennen, wo es langgeht. Viel besser kann ich mir die Beschriftung einer Strecke nicht vorstellen.
Jetzt wechselte der Streckencharakter für ein paar hundert Meter und wir liefen durch leicht bewaldetes Gebiet. Etwa bei km 8 erreichten wir auf der großen Schleife den absolut entferntesten Punkt des gesamten Kurses. Diese große Schleife muss z. B. beim Marathon drei Mal gelaufen werden.
Aktuell hatte ich den Eindruck, das flach anders ist, aber ich konnte mein Tempo bisher halten, ohne meinen Puls zu sehr überzustrapazieren. Ich lief etwa auf 90-95%, da ich früh merkte, dass eine PB auf dieser Strecke nicht klappen wird. Der ländliche Charakter der Strecke wechselte etwa bei km 12, als wir die Marler Straße überquerten und über ein Gehöft liefen. Nach dieser Strecke und etwas weniger als einer Stunde merkte ich auch, dass die kühlen Temperaturen mein Gesicht etwas steif werden ließen. Es war eine gute Idee die Handschuhe anzuziehen, da alle weit vom Herz entfernten Körperteile gerne schon mal saukalt werden. Am Gesicht kann man leider nicht so viel machen. Deshalb bekam ich nach und nach eine ziemlich ernste Miene.
Man kommt von hier aus wieder in den bebauten Bereich von Bertlich und freut sich das erste Mal darüber, den Großmarkt, wo sich die Parkplätze befinden, wiederzusehen. Über die Straßen im Wohngebiet geht es zurück zum Sportplatz. Die erste Runde ist geschafft. Mit einem Schnitt von etwa 4:50min/km lag ich gut auf Kurs. Nicht PB-Kurs, aber eine solide Zeit in der Nähe davon. Jetzt war auch der Zeitpunkt, das erste Gel einzunehmen. Ich hatte für diesen Lauf auf die Gels von Ultra Sports gewechselt, um mich mit ausreichend Energie zu versorgen. Ohne Handschuhe hätte ich diese kaum aus dem Gürtel bekommen, so ging das aber klasse und auch das Öffnen mit dem Mund ging einfach. Die Tütchen sind so konstruiert, dass der Verschluss nach dem Öffnen am Tütchen bleibt. Unter Umweltaspekten finde ich das spitze. Ich wartete bis zum nächsten Verpflegungspunkt, um die Tüte zu entsorgen. Also auf in die zweite Runde.
Zwischen km 16 und 17 befindet sich eine kleine Brücke, die mir in der ersten Runde nicht sonderlich auffiel. Jetzt kostete dieser kurze Anstieg aber ordentlich Kraft. Auf dem nächsten Stück überholten mich einige LäuferInnen. Diese stammten aus dem Starterfeld der 7,5 und 10km. Ich wunderte mich nämlich kurzzeitig, mit welchem Tempo sie an mir vorbeiliefen, bis ich merkte, dass diese auf den kürzeren Distanzen unterwegs sind. So stark konnte ich auch wieder nicht eingebrochen sein?!?
Bis etwa km 18 verlief diese Runde wieder gleich, verzweigte dort aber. Mental ist das immer schon so, als wenn man bereits fertig wäre. Es fehlten auch nur noch etwa 3km. Das lässt sich gut schaffen. Aber trotzdem sollte man sich dem Gedanken nicht allzu sehr hingeben, da einem dann am Ende der nötige Biss fehlt, das Tempo zu halten.
Auch ich bin nach Beginn der zweiten Runde etwas eingebrochen. Leider konnte ich das aktuelle Tempo nicht halten und fiel etwa 10sek/km auf den letzten 7km zurück. Mich störte das aber nicht, da ich keinen verkrampften Endspurt hinlegen wollte, nur um festzustellen, dass ich meine Bestzeit nicht toppen konnte. Kurz zuvor hatte ich das zweite Gel genommen und mir ging es kräftemäßig blendend. Ich merkte aber am Puls, dass ich das Tempo etwas zurückschrauben musste. Es ging schon jetzt wieder an dem kleinen Waldstück vorbei und rüber über die Maler Straße, hin zum Gehöft. Ich schätzte kurz im Kopf ab, wie weit es jetzt noch sein konnte und entschied, jetzt nicht mehr langsamer zu werden. Die letzten zwei Kilometer muss das doch noch klappen!
Auch wenn es nur noch eher psychischen Wert hatte, gönnte ich mir noch das letzte Gel und spülte es mit dem letzten Wasser aus der Flasche runter. Ein großer Vorteil ist, dass es auf diesem letzten Stück fast nur noch Gefälle gibt. Das unterstützt einen ungemein dabei, es einfach rollen zu lassen. Im Wohngebiet ging es zunächst auf einer schnurgeraden Straße auf den Sportplatz zu. Dann bog man links ab, zum Tor, durch das man auf den Sportplatz lief. Auf dem Sportplatz holt ich noch mal alles raus und absolvierte die ¾ Runde in einem sauberen Tempo.

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(Fotos by www.catfunfoto.de)

Bei der Zeitnahme war ich mir nicht ganz sicher, wie diese funktionierte. Mit Chip läuft man durch den Zielbogen und die Zeit wird automatisch genommen. Hier musste man zügig bis zu einem kleinen Zelt weiterlaufen, dass etwa 10 Meter hinter der Ziellinie liegt. Hier wird per Barcodeleser die Zeit registriert, indem der Barcode von der Startnummer gelesen wird. Nicht ganz optimal, wenn man in einer Gruppe von sagen wir 10 LäuferInnen ankommt, da jede Registrierung etwa ein bis zwei Sekunden benötigt. Ich hatte meine Uhr schon unter dem Zielbogen gestoppt und war von der handgestoppten Zeit etwas überrascht. Diese liegt nur 20 Sekunden über meiner PB, was ich auf dieser Strecke echt nicht erwartet hätte.

Nach dem Lauf

Ich nehme mir etwa fünf Minuten, um meinen Puls zu beruhigen. Im Zielbereich gehe ich etwas auf und ab. Da es doch recht frisch ist, gehe ich noch kurz am Verpflegungsstand vorbei um etwas Warmes zu trinken und ziehe es dann vor, zügig in trockene Sachen zu kommen. Das Abholen von Rucksack und der abgegebenen Wertsachen funktioniert perfekt. Die Umkleide ist gut gefüllt, aber es findet sich schnell ein Platz, an dem ich mich umziehen kann. Auch wenn man es während des Laufens nicht so merkt, bin ich nach dem Lauf sehr dankbar, wenn ich in trockene Sachen schlüpfen kann.

Vielen Dank an Wolfgang Steeg der wieder mal für tolle Bilder gesorgt hat. Vielen Dank auch an den Veranstalter SuS Bertlich 1945 e.V. für den tollen, wenn auch kalten Lauf. Aber das liegt zum Glück nicht in der Hand des Veranstalters. Nächstes Jahr könnte ich mir auch vorstellen eine längere Strecke zu laufen. Am 15. Februar ist es ja wieder so weit – zum 95. Mal. Die freundliche und familiäre Atmosphäre sowie die eher unaufgeregte Strecke machen Lust auf mehr.

Für die Akten: auf dem Kopf hatte ich einen Beanie von Rono, den ich im Winter echt schätze. Drunter hatte ich das Brooks Equilibrium Base LS und drüber den Essential 1/2 Zip, die bei diesem Wetter perfekt gepasst haben. Die CEP 3/4 Tight war absolut nicht zu dick und hat mit dem Kompression gut geholfen. Die CEP Merino Run Socks waren erstaunlich gut und nicht zu warm. An den Füßen hatte ich die Salming Distance, die im Halbmarathon genial sind, gerade wenn es fast nur über Asphalt geht. Am Handgelenk hatte ich die TomTom Multisport Cardio, die keinen Grund zur Beanstandung lieferte. Das Gel und die Chips von UltraSports haben mich während des Laufs ausreichend mit Energie versorgt. Meine Fast Draw Extreme von Ultimate Direction hat mich mit Flüssigkeit versorgt.

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