Die Schlammschlacht in den Castroper Höhen – Herner Silvesterlauf 2014

20141231_silvesterlauf_01Dieser Titel fiel mir unvermittelt ein, als ich den Lauf hinter mich gebracht hatte. Auf Twitter habe ich den Hashtag #matschiiig gepostet. Es war mal wieder Zeit für den traditionellen Silvesterlauf im Herner Gysenberg, der zu den Castroper Höhen zählt – daher der Titel. Warum es trotzdem Spaß gemacht hat, ist ganz einfach.

Vor dem Lauf

Am Wochenende nach Weihnachten wurde es langsam kalt und es schneite sogar an einem Tag. Zwar blieb der Schnee nicht wirklich liegen, aber hier und da waren noch Reste zu finden. Ebenso regnete es recht häufig, so dass sich bereits abzeichnete, dass die Wege im Wald nicht trocken sein würden.

Hinweis: es handelt sich nicht um einen Cross-Lauf!

In den ersten Rennen waren die Schüler über 1500m unterwegs und hatten mit fiesem Nieselregen zu kämpfen. Die Temperaturen von etwas über dem Gefrierpunkt trugen nicht gerade zum Wohlbefinden bei. Trotzdem schlugen sie sich gut und mein Junior konnte sich in seiner AK einen Platz auf dem Treppchen erlaufen. Schöner sportlicher Jahresabschluß für ihn.

(Fotos: Stefan Kuhn)

Da es nicht wirklich wärmer werden wollte, verließ ich die Turnhalle zunächst nur, um mich warm zu laufen. Normal laufe ich mich vor einem 10km-Lauf nicht warm, aber wegen der Temperaturen sah ich das diesmal als sinnvoll an. Danach ging ich erst mal wieder zurück in die Halle und wartete bis 15 Minuten vor dem Start.

In der Zwischenzeit konnte ich einige der 5km LäuferInnen sehen und hören, die schon wieder zurück waren. Die Wege im Wald seien sehr matschig. Häufig sei kein Überholen möglich und man verliere einiges an Kraft dort oben. Das hört sich nach „Spaß“ an und ich verabschiedete mich schon mal von dem Gedanken, meine PB in diesem Jahr toppen zu können.

(Fotos: Stefan Kuhn)

Da bei diesem Lauf nur die Bruttozeiten gemessen werden, nutzte ich diese Kenntnis und sortierte mich so weit vorne ein, dass ich möglichst wenig Zeit verlieren würde. Mit ein wenig Anstand lässt man natürlich etwas Abstand zu den Favoriten und Toppläufern und stellt sich nicht direkt in die erste Reihe.

Der Lauf

Es nieselte immer noch und es waren etwa 2°. Damit mir der Niesel nicht so sehr in die Augen tropft, hatte ich sogar meine Laufbrille aufgesetzt. Auf Musik verzichtete ich dieses Mal. Ziemlich genau um 12:30 ging es dann los. „Auf die Plätze … BÄNG!Ich liebe diese Starts ohne „Fertig“.

Die ersten beiden Kilometer ging es zunächst über Asphalt und über den befestigten Weg am Fuße des Gysenbergs – welcher nicht wirklich ein Berg ist!. Nach dem Anstieg auf das obere Plateau des Waldes, auf dem man den längsten Teil der Strecke läuft, wurde klar, was die Strecke zu bieten hatte. Die ersten paar Zentimeter der Wegeoberfläche waren auf weiten Strecken purer Matsch. Heute war ich echt froh, dass ich mich für einen OffRoader entschieden habe. Der PureGrit2 kämpfte sich tapfer durch den Schlamm und versuchte Halt zu finden, wo es nur ging. Auch wenn es ganz schön Kraft kostete, konnte ich ein recht gutes Tempo laufen. Lediglich am Puls merkte ich, dass es anstrengender als sonst war. Grundsätzlich stimmte die Form und ich konnte jeden Anstieg durch einen ruhigen Bergablauf gut wieder ausgleichen.

(Fotos: Stefan Kuhn)

Im Wald läuft man, anders als auf der 5km-Strecke, zwei Runden. Auch wenn ich die Strecke aus den letzten Jahren kannte, musste man doch genau hinsehe, wo die nächste Pfütze oder der nächste schlammige Abschnitt kommt. Auch wenn es kräftemäßig geklappt hätte, war es auf vielen Abschnitten einfach nicht möglich zu überholen. Allenfalls mit riskanten Manövern konnte man versuchen den einen oder anderen Platz gut zu machen. Ich hatte mir die einigermaßen laufbaren Abschnitte in der ersten Runde gemerkt und würde dort mein Glück versuchen. Am Ende der ersten Runde wusste jeder, was jetzt kommen würde: der gleiche Schlamm noch ma!

Dazu kam das kalte Wetter. Ich bin immer wieder erstaunt, wie die ToppläuferInnen lediglich in Shirts und kurzen Hosen laufen können. Okay, Handschuhe haben sie auch an, aber hey … Noch ein Wort zur Laufbrille. In der ersten Runde klappte das recht gut und der Schutz erzielte seine Wirkung. In der zweiten Runde beschlug die Brille allerdings mal mehr, mal weniger und ich hoffte, dass sie beim letzten Abschnitt wieder klar würde. Dort geht es nämlich hauptsächlich bergab und am Wegrand finden sich auch tückische Wurzeln. Diese sind zwar markiert, aber bei schlechter Sicht kann man auch hier stürzen.

Nach der ersten Runde bekommt man auch intensiver mit, wenn ein Abschnitt einen leichten Anstieg hat. Mittlerweile sahen alle TeilnehmerInnen aus wie bei einem gepflegten Crosslauf. Spätestens bei der Ansicht der Rückseite erkennt man die Spritzer und Flecken, die der aufgeweichte Untergrund hinterlassen hat. Ganz zu schweigen von den Schuhen. Komischerweise hörte ich aber niemanden laut fluchen! Alle waren damit beschäftigt, auf den rutschigen Passagen nicht zu stürzen, was auch bis auf wenige Ausnahmen bestens klappte.

Etwa zur Mitte der zweiten Runde merkte man deutlich, wie bei vielen TeilnehmerInnen langsam die Kräfte schwanden. Der Matsch und das wellige Profil haben ihre Spuren hinterlassen. Ich konnte einige gut laufbare Passagen nutzen, um noch ein paar Plätze gut zu machen. Im Grunde ist das aber nur so ein mentales Ding und eher was fürs Ego, denn die vorderen Plätze in der AK teilen sich Läufer aus den LA Abteilungen der diversen Vereine, die sich hier regelmäßig messen. Trotzdem motiviert es ungemein, wenn man jetzt noch jemanden überholen kann, den man lange Zeit immer ein paar Schritte vor sich hatte. Häufig genug bin ich derjenige, der auf den letzten Kilometern überholt wird.

Insgesamt blickte ich nur selten auf die Uhr. Selbst den Puls kontrollierte ich eher nach Gefühl. Nach dem unendlich erscheinenden Abschnitt mitten durch den Wald, konnte ich schließlich die Kreuzung erkennen, an der es zurück zum Ziel ging. Ab hier wurde der Untergrund wieder fester und man wurde für die Mühe im Matsch mit einem schönen Gefälle belohnt. Was ich noch nicht wusste ist, dass es hier später noch zu einem Sturz kommen sollte. In den Sturz ist ein Läufer aus den oberen AK verwickelt, der vor zwei Jahren fast bis ins Ziel als Zugläufer vor mir weg lief.

Ich konnte dieses Teilstück allerdings nutzen, um letzte Reserven zu aktivieren und mit vernünftigem Tempo die restlichen Kilometer zu absolvieren. Bis zum Parkplatz am Minizoo lief es perfekt. Selbst die Brille war jetzt kaum noch beschlagen und behinderte nicht mehr die Sicht. Jetzt war nur noch ein letzter kurzer Anstieg zu bewältigen, um dann auf die Zielgerade einzubiegen. Der Anstieg wäre wirklich nicht nötig gewesen und rief diese „Wofür?“- und „Was mach‘ ich hier eigentlich?“-Gedanken auf den Plan. Es überwog aber die Freude bis hier durchgehalten zu haben und jetzt bloß nicht aufgeben zu wollen.

(Fotos: Stefan Kuhn)

Zu Beginn der etwa 300m langen Zielgeraden begann ich eine Art Steigerungslauf und zog das Tempo langsam aber sicher an – soweit das noch ging. Das brachte mir noch mal zwei oder drei Plätze in der Gesamtwertung und das Gefühl, Alles gegen zu haben. Letzteres ist mir allerdings wichtiger, als die Plätze, um die ich mich verbessert habe. Dann der Schritt über die Ziellinie, Uhr stoppen, Tempo rausnehmen und entspannen …

Nach dem Lauf

Im Ziel gab es wie immer einen gut besuchten Verpflegungsstand. Besonders der warme Zitronentee wurde gerne genommen. Bananen, Äpfel, Iso-Getränk, alles da, was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Einige bekannte Gesichter waren entweder schon vor mir ins Ziel gekommen oder kamen nach und nach. Hier und da konnte ich ein paar Sätze wechseln und

(Fotos: Stefan Kuhn)

Immer noch war ich leicht verwundert, dass nur ganz wenige Stimmen zu hören waren, die den Matsch im Wald verfluchten. Selbst bei der Startnummernrückgabe in der Sporthalle. Hier scheint jedes Jahr eine ziemlich laufverrückte Horde an den Start zu gehen, ob über 5 oder 10km.

(Fotos mitte und rechts: Stefan Kuhn)

Ich sah vollgeschlammte Straßenlauf- und Offroadschuhe (meine PureGrit sahen auch nicht besser aus), Leute, denen man die Kälte ansehen konnte und Andere, denen die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben war. Aber alle hatten irgendwie Spaß an diesem Lauf gehabt, mich eingeschlossen.

Einziger Wehmutstropfen für mich war der ältere Herr, der von zwei Sanitätern begleitet wurde. Unter der Nase konnte ich Blut sehen und die Knie sahen ziemlich ramponiert aus. Trotzdem wirkte er ansonsten nur leicht verletzt und konnte alleine zum Rettungswagen gehen.

38. Herner SilvesterlaufMein Dank geht wieder an Klaus Alhorn und dem gesamten Team des SC Westfalia 04 Herne – Leichtathletik für diesen tollen Lauf und die super Organisation auf und neben der Strecke.

Ebenso danke ich Stefan Kuhn, der mir seine Bilder (auch das Links) vom Event für die Verwendung in diesem Bericht freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 

Für die Statistik: gegen die Kälte am Kopf trug ich das Buff Headband, welches erstaunlicherweise vollkommen ausreichte. Um den Hals hatte ich ebenfalls einen Buff, allerdings habe ich auf Handschuhe verzichtet. Über einem Base LS von Brooks trug ich einen Utopia Hoodie, ebenfalls von Brooks. Zu der CEP 3/4 Run Tight 2.0 wählte ich die CEP Run Socks 2.0. Am Fuß trug ich den Brooks PureGrit 2 der mich hervorragend durch den Matsch brachte und auch wegen des geringen Gewichts die richtige Wahl war. Meine TomTom Cardio Multisport sorgte zuverlässig für die Laufdaten.

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