In jeder Hinsicht cool – 95. Bertlicher Straßenläufe

20150215_bertlich30_01Okay, ich habe jetzt nicht wirklich erwartet, dass ich Mitte Fabruar in Kurz-Kurz laufen kann – auch wenn das kalte Wetter manche nicht davon abgehalten hat. Supersonnig, supergut organisiert und super Stimmung. So könnte man die 95. Bertlicher Straßenläufe zusammenfassen. Umso leichter fiel es mir meine Premiere über die 30km Distanz anzugehen. Wie es dann lief, lest ihr hier. [B]

Bertlich steht für mich für drei Sachen: ungeschönter Straßenlauf, erbarmungslos frostiger Wind im Februar und November (möglich, und sehr wahrscheinlich), sehr große Vielfalt an Distanzen. Ich will aber nicht vergessen, dass das Event jedes Mal perfekt organisiert ist und alle Helfer freundlich und hilfsbereit sind. Ob an der Strecke oder bei der Anmeldung.

Vor dem Lauf

Und genau so war es diesmal auch wieder. Als ich in Bertlich ankam, mussten es so um 4° gewesen sein. Die Sonne schien, weshalb ich das nicht so extrem empfunden habe. Im Stadion kamen schon die ersten LäuferInnen ins Ziel und die Stimmung war toll. Es waren jetzt keine tausende Leute da, aber man applaudierte für die Leute auf der Zielrunde.

Fotos: (c) CatFun-Foto (Zum Vergrößern anklicken!)

Die Anmeldung (geht nur vor Ort) lief problemlos und ich hatte noch etwa 40 Minuten bis zum Start der 30km. Wenn ich „30km“ so sage, kommt mir das irgendwie surreal vor. Die Halbmarathon-Distanz habe ich ja schon einige Male absolviert, aber hier waren es fast 10km mehr. Ich habe mich natürlich darauf vorbereitet. Neue Distanzen muss ich aber erst mal realisieren.

In der Umkleider waren wieder eine Menge Läufer. In der Sporthalle kann man seine Tasche und auch seine Wertsachen abgeben. Ich kannte das vom letzten Mal. Ebenso, wie die Strecke, die mir mit drei Runden á etwa 10km bevorstand. Jede Runde ist ein klein wenig unterschiedlich lang, da der Start nicht gleichzeitig das Ziel ist. Das stört aber nicht, da an der Strecke jeder Kilometer deutlich markiert ist.

Ärgerliches Detail: mein Armgurt fürs Handy versagte seine Dienste! Wie mies! Gerade heute, wo ich mit einer neuen leichteren Kamera viele Bilder von der Strecke machen wollte. Der Klettverschluß sah aus, wie immer, wollte sich aber nicht schließen lassen. Bitte nicht! Kein gutes Zureden oder Fluchen half. Also Armgurt und Kamera wieder zurück in den Rucksack. Wir sprechen uns noch Freundchen!!! Frechheit!!! Das bedeutet: ich werde Bilder von Wolfgang Steeg (CatFun-Foto) benutzen. Er macht das sowieso besser als ich und hat wieder eine riesige Menge an tollen Fotos zu diesem Event gemacht ([1] Facebook und [2] Runnersworld).

Der Start der 30km-Strecke lag direkt vor der Umkleidehalle. Das man sich nicht vorab anmelden kann, ist es immer ein wenig eine Überraschung, wer auf einmal im Starterfeld auftaucht. Zwar kann man per Facebook sehen, wer teilnehmen möchte. Ob die jedoch wirklich kommen und wer sich kurzfristig zu einem Start entscheidet, steht da natürlich nicht.

Wie im November hat Markus S. die gleiche Distanz gewählt, wie ich. Wir haben kurz geredet, angepeilte Zielzeiten ausgetauscht und uns einen guten Lauf gewünscht. Markus hat wie ich beim SOL Projekt mitgemacht. Man sieht sich immer mal wieder auf den Events in der Region. Nette Sache.

Da der Start in einem Wohngebiet stattfindet, kam es kurz vor dem Start noch dazu, dass ein Autofahrer unbedingt durch die Menge der wartenden LäuferInnen wollte. Zwischenzeitig kamen noch die 10km LäuferInnen vorbei. Ich konnte Sascha N. ausmachen und wünschte ihm einen guten Lauf. Wir kennen uns ebenfalls von SOL.

Der Lauf

Ich checkte nochmal die Gels und den Gurt – alles okay! Ich startete diesmal rechtzeitig meine Musik. Letztes Mal habe ich etwas zu spät damit angefangen und war fast nicht bis zum Startschuss fertig geworden. Ein Blick auf die Uhr – kurz vor Start!

Ich muss gerade wieder ziemlich lachen, wenn ich an den Start denke. Irgendwie haben sich alle nahe der Startlinie aufgestellt und dann kam urplötzlich der Startschuss! Echt jetzt? Ich habe gar kein „Auf die Plätze!“ gehört! Das kommt sonst mindestens! Vielleicht war es auch einfach zu unruhig im Startfeld und der Starter hat zu leide gerufen. Egal! Bei 30km kann man das schon irgendwie ausgleichen.

Dann ging es also auf die erste Runde. Auf den ersten drei Kilometern gibt es zwei unangenehm lang gezogenen Anstiege. Nicht tragisch und in den ersten beiden Runden auch noch kein Problem. Aber in der dritten Runde wollte ich hier auch noch hoch kommen. Der erste Anstieg führt raus auf den Acker. Mein Tempo von 5:30min/km, was 30s unter meinem Tempo für den Halben liegt, sorgte dafür, dass ich die Anstiege entspannt angehen konnte. Kurz nach dem ersten Verpflegungspunkt kommt noch eine kleine Brücke, über die man laufen muss. Wie gesagt, in Runde 1 und 2 eher unproblematisch.

Fotos: (c) CatFun-Foto (Zum Vergrößern anklicken!)

Irgendwann bemerkte ich ein Trio, dass ziemlich genau mein Tempo lief. Da ich dazu tendiere, gerade am Anfang zu schnell zu laufen, was bei langen Distanzen immer einen vorzeigen Tod bedeutet, hängte ich mich dran und zwang mich, nicht zu überholen. Die ganze erste Runde sollte das so gehen. Danke noch mal an die Leute von Tri-Ducks Dorsten fürs Bremsen.

Auf den ungeschützen Strecken über die Felder, blies der Wind ziemlich frisch. Den Windchill darf man hier nicht unterschätzen. Bisher klappte meine Auswahl an Klamotten gut. Ab Kilometer 6 begann für mich der unbekannte Abschnitt der Runde. Beim Halbmarathon läuft man eine andere Runde. Dieser Teil war aber unproblematisch, da man hier ein leichtes Gefälle hat. Gespeichert für die nächsten Runden als Passage zur Entspannung.

Jetzt ging es wieder Richtung Start. Den folgenden flachen Anstieg kannte ich noch von der HM Strecke. Unkritisch! Noch über das Gehöft, links abbiegen zu real und dann durch das Wohngebiet zurück zur Sporthalle. Kurz vorher dem Sportplatz und damit kurz vor dem Ende der ersten Runde kam ein Verpflegungspunkt (VP). Bevor ich ihn erreichte, nahm ich das erste Gel zu mir, um dann am VP einen Becher zu trinken.

Anders als bei meinen sonstigen Läufen nahm ich mir sogar die Zeit anzuhalten und den Becher mir warmem Getränk komplett zu trinken. Da die Verpflegungssituation an der Strecke so ausgezeichnet ist, verzichtete ich darauf, meine eigene Trinkflasche mitzunehmen. Hier hat das schonmal super geklappt. 10 bis 15 Sekunden fürs Trinken machen den Kohl auf einer solchen Strecke nicht fett.

Jetzt wechselte ich meinen Bremsäufer. Genau in dem Moment, wo ich wieder los lief, überholte mich eine Dame, die ebenfalls ein passendes Tempo lief. Der BUZ-Läufer für die zweite Runde war gefunden. Ihr Tempo lag zwar etwas höher, aber alles noch im Bereich des Machbaren. Auch hier ein Dankeschön dafür, dass ich mitlaufen konnte.

Fotos: (c) CatFun-Foto (Zum Vergrößern anklicken!)

Die zweite Runde lief routiniert und unspektakulär. Das zweite Gel bei km 15 und natürlich wieder trinken. Am Ende der zweiten Runde nahm ich dann das dritte Gel und auf jeden Fall wieder einen Becher Gatorade. Also alles im grünen Bereich.

Jetzt ging es langsam aber sicher auf die Halbmarathongrenze zu. Meine bisherige Schallgrenze im Wettkampf. Ich lief vorbei an km 21, an km 22. Da war es geschehen. Da ich mittlerweile allein lief, schaute ich jetzt häufig auf die Uhr, um nicht zu schnell zu laufen. Richtig schnell ging es aber auch nicht mehr, ganz ehrlich. Ich war froh, eine Pace von knapp über 5:30min/km halten zu können.

Jetzt kam die zweite Grenze: längster Lauf ever – zeitlich gesehen. 2h30min waren im Training meine längsten Läufe. Allerdings auf kürzerer Distanz. Wenn man nicht lange darüber nachdenkt, geht das ganz gut. Diese mentale Barriere war im Augenblick auch weniger mein Problem. Ich merkte so langsam meine Muskulatur rebellieren. Hier und da zwackte es doch schon ganz schön. Die Gelenke machten keinerlei Probleme, aber die Oberschenkelstrecker, also die vorderen Muskeln am Oberschenkel, fühlten sich total beansprucht an. Das habe ich schon lang nicht mehr gehabt. Es ließ sich ertragen, aber trübte den bisher genialen Eindruck ein wenig.

Die TomTom zeigte einen durchschnittlichen Pace von 5:25min/km über die gesamte Strecke an und ich machte keine Anstalten schneller laufen zu wollen. Ging auch gar nicht mehr. Als ich das Gehöft erreichte, freute ich mich, dass ich kurz vor dem Ziel war. Na ja, es waren noch zwei Kilometer, aber was war das im Vergleich zur Gesamtstrecke?

Auf der Höhe vom Eingang zum Wohngebiet packte mich dann aber doch noch mal der Ehrgeiz. Ein bisschen ging doch noch, oder? Na ja, ich zog das Tempo an, soweit es ging, um dann wieder etwas zu bremsen, weil die Oberschenkel endgültig anfangen wollten zu krampfen. Immerhin konnte ich mir fürs Ego noch ein paar LäuferInnen schnappen, die eigentlich auch nur irgendwie ins Ziel kommen wollten. Wobei ich nicht darauf achtete, ob sie zu den 30er gehörten oder zu den Marathonis, welche auch noch auf der Strecke waren.

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Foto: (c) CatFun-Foto (Zum Vergrößern anklicken!)

Als ich ins Stadion zur Zielrunde einbog (das auf dem Foto bin ich nicht!), fühlte sich das schon recht gut an. Ich wollte vernünftig ins Ziel kommen, also gesund und mit halbwegs brauchbarer Form. Ich brauchte nicht auf die Uhr sehen, um zu erkennen, dass ich meine angepeilte Zeit sauber unterbieten werde. Statt dessen achtete ich bei diesen knapp 300m noch mal auf Technik und schnappte mir einen Läufer, der leicht verwirrt und verständnislos blickte. Ich hatte allerdings riesigen Spaß!

20150215_bertlich30_03Auf der Zielgeraden versuchte ich ein Lächeln für das Finisherfoto, was mir vermutlich nur mäßig gelang. Sascha N. und Manuela O. von der SOL Truppe saßen am Rand und Sascha feuerte mich an. Ich hob kurz die Hand und überlief dann endgültig die Ziellinie. Uhr stoppen, Tempo rausnehmen, Startnummer abscannen lassen (Besonderheit an Bertlich) und entspannen.

Nach dem Lauf

Ich blieb erst mal einige Zeit hinter dem Zielbereich stehen, da die Muskeln sich jetzt stark verhärteten. Obwohl es ein fieses und schmerzhaftes Gefühl ist, musste ich über mich lachen. Ich war auch froh, dass es so verhältnismäßig problemlos geklappt hatte.

Irgendwann traute ich mich dann wieder zu gehen und versuchte Sascha etwas zuzurufen. Leider funktionierte mein Gesicht wegen der Kälte noch nicht wieder so richtig und es hörte sich glaube ich wie: „As gu bei eu?“ [sollte heißen: Alles gut bei Euch?] an. Ich winkte lachend ab und ging erst mal etwas trinken.

Anschließend unterhielten wir uns noch eine Weile über diesen Lauf (die Beiden waren über 10km gestartet) und über die kommenden geplanten Läufe. Immer wieder nett, wenn man sich auch mal im echten Leben unterhalten kann. Evtl. sieht man sich diesen Juni im Nordsternpark.

Es war wieder ein toller Lauf, der meine Grenzen wieder ein wenig verschoben hat. Er hat mir aber auch gezeigt, dass ich für meinen ersten Marathon noch ein paar Hausaufgaben zu machen habe. Aber bis dahin sind es noch gut drei Monate Zeit. Vielen Danke an das gesamte Team des SUS Bertlich und an alle freiwilligen Helfer.

Für die Statistik: natürlich war dieser Lauf ein PR, da es mein erster Lauf über 30km war.
20150215_bertlich30_04In 2:42:55h (offiziell) und einer Pace von 5:26min/km bin ich mehr als zufrieden. Am Kopf trug ich ein Headband von Buff. Die 720armor Dart sorgte dafür, dass mich die tolle Sonne nicht so ärgerte. Zwei Shirts und die Armlinge von Brooks waren die ideale Kombi am Oberkörper, da es Passagen gab, die echt frostig waren und in der Sonne war es teilweise angenehm warm. 3/4 Tight und Socken kamen , wie so oft, von CEP und haben sehr gut funktioniert. Die TomTom Multisport Cardio behielt für mich den Überblick über Puls und Tempo. Mein SafeSportID Band gehört mittlerweile zu jedem Lauf, ob Training oder WK. Die Berry Gels von UltraSports versorgten mich mit ausreichend Energie. Wettkampfdebüt hatten auch die New Balance 890v5, die so perfekt mitgelaufen sind, dass ich sie gar nicht bemerkt habe.

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