Laufen mit Xaver im Rücken

Meine neue Strecke für die LongJogs führt über einen Abzweig der Erzbahntrasse und damit über einen Radweg. Relativ eben und sauber asphaltiert laufe ich knapp 10km hin und dann wieder zurück. Bei der Wettervorhersage zeichnete sich aber schon ein mentaler Langstreckler ab: Sturm, Regen mit möglichen Schneeschauern. Alles keine Gründe, um nicht zu laufen – Bilder gibt’s diesmal aber leider nicht. Also los!

Natürlich sollte man die Läufe an solchen Tagen mit besonderer Vorsicht genießen! Ich werde hier bestimmt keine Witze über den Orkan Xaver machen. Dazu hat er in anderen Landesteilen zu krasse Auswirkungen gehabt. Mein Laufrevier blieb zum Glück weitestgehend verschont. Xaver brachte hier nicht viel mehr als einen solider Herbststurm mit Gewitter und Hagel, aber das erst nach meinem Lauf!

Direkt nach der Arbeit habe ich mich mit Banane ein wenig gestärkt und umgezogen. Das ist der einzige Nachteil an Herbst und Winter: je nach Wetter dauert das Anziehen deutlich länger als im Sommer. MP3-Player angeschnallt, Handy in die Tasche, ID-Armband angelegt, Trinkflasche geschnappt und raus. Draußen noch schnell die Laufuhr gestartet und auf das GPS Signal gewartet. Endlich kann es los gehen!

Bis zur besagten Strecke dauert es ca. 2,6km die ich durch Herne-Röhlinghausen laufen muss. Das eher beschauliche Nebenzentrum pulsiert hektisch im Berufsverkehr. Mitten drin muss ich die Straßenseite wechseln, was selbst am Zebrastreifen besondere Aufmerksamkeit bedeutet. Es ist noch hell und ich behalte einen guten Überblick über die Lage.

Es geht vorbei am Tierheim und nach einem kurzen Stück auf der Erzbahntrasse kommt der Abzweig auf den Radweg Kray-Wanner-Bahn, der mich gut 7km in Richtung Zollverein bringen wird. Da auch diese Trasse nur wenig windgeschützt ist, freue ich mich verständlicherweise, dass mich Xaver dirket frontal attakiert. In Böen merkt man schon, dass der Kollege einiges drauf hat. Bei den größeren Bäumen kann ich den Wind in den Kronen trotz Kopfhörer hören.

Seit dem Beginn des Laufes regnet es leicht. Nicht viel, aber bei falscher Kleidung kann das sehr unangenehm werden. Ebenso kann ich die Rono Jacke noch mal ausgiebig bei Wind und Regen testen. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich mich auf die Brooks Ghost GTX bei solch einem Wetter verlassen kann und die Füße schön warm und trocken bleiben. Xaver hat sich nämlich nur knapp 4° Celsius ausgesucht, mit denen er stürmt.

Als ich an der Halde Rheinelbe vorbei komme setzt langsam die Dämmerung ein. Hier geht der Teil Kray-Wanner-Bahn in den Zollvereinweg über. Etwas Licht wird aber noch bis zum Wendepunkt der Strecke bleiben. Obwohl ich in einem gemütlichen Tempo laufe, merke ich bereits, dass der Gegenwind stärker wirkt, als ich erwartet habe. Allerdings habe ich icht das Gefühl, ich müsse mich total verausgaben, um vernünftig vorwärts zu kommen. Auf dem Hinweg ist es noch so hell, dass ich erkennen ob große Zweige oder gar Bäume auf der Strecke liegen. Das ist nicht der Fall.

Die langezogene Kurve um den Mechtenberg (warum heißt der eigentlich Berg, obwohl er kleiner als die meisten Halden in der Gegend ist?) kündigt den Wendepunkt an. Als ich dort nach knapp 9,7km ankomme mache ich eine kurze Pause, trinke und esse etwas, und bin froh, wieder loslaufen zu können, da in diesem Bereich viele höhere Bäume entlang der Strecke stehen. Und diese bewegen sich ziemlich stark im Wind. Mittlerweile ist es auch richtig dunkel geworden. Also an der Laufuhr die nächste Runde einläuten und weiter geht’s.

Schon beim letzten Mal ist mir aufgefallen, dass die Strecke in der Rückrichtung leicht aber stetig bergauf verläuft. Das wird aber durch Xaver im Rücken sehr gut kompensiert. Es wundert mich auch nicht, dass die zweite Hälfte sogar etwas schneller läuft. Am Wendepunkt habe ich mein LED-Band am Oberarm und das Blinklicht hinten an der Cap eingeschaltet, damit mich Radfahrer schon rechtzeitig sehen können. Bei der Dunkelheit und da die Strecke nicht beleuchtet ist, gibt das zusätzliche Sicherheit. Heute ist mir auf der ganzen Strecke nur ein anderer Läufer entgegen gekommen und auch weniger Radfahrer als sonst. Kein Wunder.

Es läuft locker an und meine Orientierung bzgl. der Streckenlänge an Straßenkreuzungen und Brücken funktioniert schon recht gut. Trotzdem bin ich auch diesmal ein wenig überrascht, als ich das letzte Teilstück bis zur Erzbahntrasse erreiche und in einem leichten Bogen auf diese zulaufe. Von hier aus sind es nur noch wieder knapp 2,6km bis zum Ziel.

Zwei kurze Anstiege und die Strecke durch Röhlinghausen später stehe ich wieder vor der Haustür. Die Klamotten haben dicht gehalten und ich fühle mich trotz der knapp 20km entspannt. Es war mal wieder ein schöner Lauf.

Etwa 15 Minuten nachdem ich angekommen bin, freue ich mich, dass ich es geschafft habe, so früh loszulaufen. Denn jetzt kommt Xaver richtig in Fahrt! Gewitter, Hagel und starker Regen, dazu ein ziemlich brauchbarer Sturm. Das wäre dann doch ein wenig zu viel des Guten gewesen.

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