Manchmal müssen es eben Hügel sein … oder Keller

Die anstehende Trainingseinheit ist genau diese, die ihr am wenigsten mögt! Auch wenn man ganz genau weiß, dass es mehr als nur Sinn macht, die eine oder andere Einheit zu trainieren, macht es das nicht wirklich besser. Ihr wisst, wovon ich rede, oder? Das gilt allerdings nicht nur für’s Training, sonder auch für Keller.

Hill Training 01

Hill Training 01

Da gibt es auch nichts schön zu reden! Für den Einen sind es die Tempointervalle, für den Anderen die langen Läufe, was auch immer. Ich überlege manchmal, durch welche Einheit ich die „Ungeliebte“ ersetzen kann, dass sie einen ähnlichen Effekt hat. Aber ich merke dann schnell, dass der Effekt nur durch genau diese Einheit erreicht werden kann.

Als ich mich auf meinen ersten größeren Wettkampf nach Jahren vorbereitet habe, nutzte ich die Gelegenheit, mich in Herten den Paschenberg (Ebbelicher Weg) hoch zu kämpfen. Damals kam mir die Strecke extrem steil und extrem lang vor. In Zahlen bedeutet das: ziemlich genau 30 Meter Höhe auf 750m Strecke. Dieses Teilstück lag immer am Ende der 4km-Runde dort. Dem entsprechend fertig war ich, wenn ich oben ankam. Und ich war richtig stolz, als ich den Anstieg das erste Mal ohne Pause durchlaufen konnte.

Mit diesem Bild im Kopf und ohne weitere Läufe dort vergingen etwa 3 Jahre. Seit dem habe ich immer wieder Hillsprints und lange Anstiege in mein Training eingebaut, weil man da eine Menge rausholen kann. Für gestern ergab es sich, dass ich den langen Lauf vom Sonntag streichen musste und eine Einheit finden musste, die etwa 60min dauern konnte und eben dort in Herten stattfinden sollte.

Einfach nur einen Rundkurs auf der Straße wollte ich nicht. Also verordnete ich mir 5 Anstiege an besagtem Paschenberg. Mit dem Bild von damals im Kopf rechnete ich damit, dass ich bereits im vierten Durchgang eine Gehpause einlegen müsste. Wie vorherbestimmt kam dann aber genau an diesem Tag die neue 3/4 Tight von CEP an – ein willkommenes Utensil für solche Einheiten.

Als ich am Parkplatz am oberen Ende der Strecke ankam, war da wieder dieses Gefühl, dass hier ein unsäglicher Anstieg auf mich wartete. Allerdings sagte ich mir einfach: „Warten wir erst mal ab!“ Ich versuchte die Ehrfurcht vor diesem Anstieg irgendwie zu verdrängen. Das Wetter war gut, es regnete nicht und es war nicht zu warm. Also: was ist das Problem? Und wenn es nicht klappt, ist dieses Training immer noch eine gute Lektion.

Hill Training 02

Hill Training 02

Also: los gings! Das Warmlaufen sparte ich mir, da das erste Teilstück (ca. 1km) bergab verlief. Bergab geht immer locker, also nicht das Tempo zu schnell wählen. Nach knapp 5 Minuten war ich am Wendepunkt. Rundenknopf an der Garmin drücken und ab auf den ersten Anstieg. Da ich die Strecke etwas über den eigentlichen Anstieg heraus verlängert habe, um ungefähr auf 1km zu kommen, verliefen die ersten 250m des Rückweges eher flach. Danach folgen etwa 600m mit 20 Höhenmeter und 150m mit verschärften 10 Höhenmetern. Okay, in der ersten Runde (also: einmal runter, einmal rauf) ist das alles noch easy. Kurzer Blick auf den Puls: auch der ist okay!

In der zweiten und dritten Runde erwartete ich nicht, dass es wirklich schwerer würde und richtete meine volle Aufmerksamkeit auf die vierte Runde. Das Tempo fühlte sich beim Aufstieg allerdings nicht wirklich langsamer an und mein Puls war auch noch immer um 160 bpm. Auch der Hälfte des fünften Runde fasste ich dann den Beschluss, eine Bonusrunde anzuhängen, da ich noch nicht wirklich verausgabt war. Der Laufen am Paschenberg steht ab sofort nicht mehr auf der schwarzen Liste. Ich muss zugeben, dass es sogar ein wenig Spaß gemacht hat, zu sehen, wie man fast unmerklich besser geworden ist. Denn: solche Sachen werden nicht leichter, man wird lediglich besser!

Diesen Effekt habe ich ähnlich bei den Tempointervallen im Stadion erlebt: Geschwindigkeiten, die ich immer bewundert habe, laufe ich jetzt nahezu selbst. Und es fühlt sich gut an, solche Fortschritte zu sehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein bestimmtes Tempo ist oder eine Distanz, die man endlich bezwingt. Und gerade dieser Fortschritt treibt mich weiter vorwärts und lässt auf eine Verbesserung in den eher wenigen Wettkämpfen hoffen, die ich im Jahr bestreite.

Ein Ziel habe ich allerdings noch lange nicht erreicht: ein entspanntes Gefühl, wenn es heißt: „Wir müssen mal wieder den Keller richtig aufräumen!“ Ich meine jetzt nicht, die Werkzeuge auf der Werkbank einräumen oder mal durchfegen. Sondern, so einen kompletten Samstag oder wahlweise Sonntag, den man im Keller verbringt. Nicht, dass es nicht hin und wieder mal notwendig wäre, aber entspannt ist anders. Und das Ganze zum Leidwesen meiner Frau.

Ich sollte mich vielleicht öfter mal an den Motivationsspruch erinnern, den ich so gerne zitiere:

Wenn Du es wirklich willst, findest Du einen Weg.
Wenn nicht, findest Du eine Ausrede.

Wo die Parallele zwischen den Hügeln und dem Keller liegt? Das Problem ist der Kopf! Hat man sich erst mal mit dem Gedanken angefreundet, ist das alles halb so schlimm und kann sogar Spaß machen. So oder so ist es doch nichts Unmögliches, was man da von sich verlangt. Aber wenn der Kopf nicht mitmacht, reicht die körperliche Fähigkeit einfach nicht aus.

Der Körper ist lernfähig. Genauso kann man sich mit solchen Einheiten oder Aktionen arrangieren und sich mental darauf einlassen. Im Training gibt es aktuell keine Einheit, gegen die ich mich ernsthaft streube. Und sonst? Ich denke, ich habe mich schon in vielen Punkten gebessert und besiege meinen Widerwillen mit der Einsicht für die Notwendigkeit … besonders in Hinsicht auf Keller! Aber da geht sicher noch mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.