Nightrun oder „Nicht laufen im Dunkeln? Ohne mich!“

Nightrun #20141211-5Dass es jetzt früher dunkel wird, ist für euch sicher nichts Neues. Und für mich ändert sich dadurch höchstens die Wahl meines Laufequipments, nicht aber meine Laufgewohnheiten. Zu dem habe ich für mich festgestellt, dass besonders das Laufen im Winter einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenausdauer im neuen Jahr bilden kann. Dass man aber das Laufen in der Dunkelheit auch genießen kann und die gewohnten Strecken ganz neu erleben kann, habe ich gestern festgestellt.

Darum geht es aber gar nicht in diesem Post. Laufen im Dunkeln ist derzeit in vielen Laufblogs ein Thema, unter anderem auch auf runHerne (Rule The Dark 2014). Okay, im Winter kommt noch dazu, dass es kalt ist und manchmal auch ganz schön nass von oben. Aber da gibt es geeignete Klamotten die dafür sorgen, dass diese Gründe ausgeschlossen werden können.

Aber speziell gestern, als ich ohne Tempodruck Grundlagenausdauer über 90 Minuten auf dem Plan hatte, habe ich mir speziell eine Strecke ausgesucht, die ich tagsüber auch laufe. Die Erzbahntrasse vom Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen bis zur Jahrhunderthalle in Bochum ist eine treue Gefährtin auf langen und ruhigen Läufen geworden. Diesmal bin ich etwa auf der Hälfte der Trasse eingestiegen und habe mich Richtung Bochum, also Westpark/Jahrhnderthalle, orientiert.

Nightrun #20141211-1Vorher hatte ich schon eine eindrucksvolle Szene einfangen können. Der Himmel ist noch nicht ganz dunkel und der Berufsverkehr schiebt sich durch die Straßen in meinem Stadtteil, bevor ich die Straßen verlassen kann und die Erzbahntrasse erreiche. Das Scheinwerferlicht wird vom nassen Asphalt reflektiert und die Ampeln geben den Rythmus vor, in dem die Autos durch die Straßen pulsieren dürfen.

Nightrun #20141211Auf dem Weg zur Erzbahntrasse merke ich, dass es doch recht schattig ist und ich bin froh, mich nicht zu dünn angezogen zu haben. Der Wind ist heute auch nicht der Läufer Freund. Aber das ist halt der Winter.

 

 

Ist es hell, wirkt dieses Industriegebiet wenig interessant. Im Dunkeln erzeugen die vielen Scheinwerfer auf dem Geländer der Verzinkerei Bochum aber einen geheimnisvollen und beschäftigten Eindruck.

Nightrun #20141211-2 Nightrun #20141211Als nächstes erreiche ich die A40 – den Ruhrschnellweg, oder wie einige ihn zu nennen pflegen: den Ruhr-Schleichweg. Trotz der Großbaustelle im Bereich Bochum-Stahlhausen kommt der Verkehr heute einmal nicht zum Erliegen und die Autos reihen sich langsam, aber stätig aneinander. Auch hier sehe ich zum ersten Mal bewusst, was die Änderung der Lichtverhältnisse für eine Änderung der Stimmung mit sich bringt.

Nightrun #20141211Nightrun #20141211-3Ich stehe hier einige Minuten und schaue einfach den Fahrzeugen zu, bevor es mir dann doch zu kalt wird. Ich hatte den kalten Wind einen Moment lang vergessen.

Nightrun #20141211Nach knapp 45 Minuten erreiche ich die große Schwinge, welche die Erzbahntrasse mit dem Westpark verbindet. Von hier aus kann man das Förderrad des Bochumer Bergbaumuseums sehen, welches nachts beleuchtet ist und mir, wie viele andere Dinge, am Tag nie so bewusst aufgefallen ist.

 

Nightrun #20141211-4Mein Ziel für den Wendepunkt ist die Treppe, die den Beginn der großen Rasenflächen im Westpark bedeutet. Hier pfeift der Wind echt ungemütlich und ich sehe zu, dass ich diese Photo mache und dann wieder den Rückweg antrete.

Auf dem Weg zurück kommt mir ein Radfahrer entgegen, der weder auffällige Kleidung trägt noch die Beleuchtung an seinem Rad eingeschaltet hat. Hier merke ich ganz konkret, was es bedeutet, so unauffällig zu dieser Jahreszeit unterwegs zu sein. Erst im letzten Moment registriere ich ihn, denn auch meine Stirnlamp kann ihn erst beleuchten, als er nur noch etwa 5 Meter von mir entfernt ist. Ziemlich brenzlige Kiste so was!

Auf dem Rückweg fallen mir aber noch andere Dinge auf. Die Erzbahntrasse ist für diese Uhrzeit (etwa 18:00 Uhr) sehr einsam. Am Rand der Strecke kann ich einige Male grüne und orangene Augenpaare ausmachen, die selbst durch das relativ wenige Licht meiner Stirnlampe (kleinste Stufe) einen kurzen Moment hell leuchten. Die Tiere verlassen meinen Lichtkegel aber jedesmal wieder, solange ich noch in sicherer Entfernung zu ihnen bin. Nightrun #20141211-9Außer dem einen komplett unbeleuchteten Radfahrer begenen mir nur wenige weitere Radfahrer. Ich habe allerdings das angenehme Gefühl, dass diese mich schon deutlich früher wahrnehmen, als wenn ich nur mit auffälligen und teilweise reflektierenden Sachen laufen würde. Das spricht einwandfrei für den weiteren Einsatz meiner Stirnlampe.

Als ich die Erzbahntrasse wieder verlasse und in den nachlassenden Straßenverkehr zurückkehre, schalte ich die Stirnlampe allerdings aus, obwohl das Radfahrer ja auch nicht tun. Ich denke aber, dass ich im Licht der Straßenbeleuchtung ausreichend gut zu erkennen bin.

Nightrun #20141211-10Der heutige Lauf hat mir gezeigt, dass die Änderung eines Parameters, eine gewohnte Laufstrecke in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen kann. Wenn man gewisse Sicherheitstipps befolgt, kann man solche Erfahrungen gefahrlos machen. Ein lesenswerter Blogpost, der sich mit dem Thema sehr ausführlich beschäftigt kommt von Mandy auf GoGirlRun.

Habt Ihr auch schon mal das Gefühl gehabt, dass eure Hausstrecke sich im Dunkeln verwandelt hat? Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß im Winter und in der dunklen Jahreszeit!

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