OffRoad Laufrevier oder Verbissenheit macht keinen Spaß

Mancher hat noch immer das Bild von dem großen grauen Etwas, welches da im Westen liegt und auf den Namen Ruhrgebeat hört. Das ist aber schon lange nicht mehr so und trotz der großen Revierstädte findet man zahlreiche grüne Oasen und Grüngürtel, welche die Region durchziehen. Und wenn man mal runter von der Straße will, um einen OffRoad-Trip zu machen, kann man das meist ohne größere Mühe. Ein Beispiel sind die beiden Halden in Herten, von denen ich besonders die kleinere Halde Hoppenbruch besonders mag. Zwar schätze ich meine Trailschuhe besonders für die Läufe durch den Schnee, aber dieser hat sich dieses Jahr noch nicht so richtig zeigen wollen. Ebenso schätze ich Abwechslung in meinen Trainingsläufen und suche gerne die Strecken abseites der Straße.

201401_wallpaper_900x507An manchen Tagen sehe ich einfach aus dem Fenster und denke: „OffRoad!“ Neben den eher flachen Strecken durch Parks und auf den restaurierten ehemaligen Bahntrassen kann man ein paar zusätzliche Höhenmeter auf den beiden Halden in Herten gewinnen. Die größere Halde, die Halde Hoheward bringt knappe 100 Höhenmeter (Hm) und die Halde Hoppenbruch zwischen 60 und 70 Hm. Beide Halden zusammen bilden die größte Haldenlandschaft im Ruhrgebeat. Es gibt noch eine Menge mehr von diesen Halden, aber dazu mehr in einem der nächsten Blogartikel.

(Bilder anklicken zum Vergrößern)

201401_trail_01Wenn ich nicht zu den Halden laufe (etwa 5km Entfernung), habe ich bisher immer am südlichen Rand eines Gewerbegebietes an der Zeche Ewald geparkt. Hier befindet man sich zwischen den beiden Halden. Die Hoheward hat eine Terassenpromenade, die rund um die Halde führt und knapp 6km lang ist und auf etwa gleichbleibender Höhe verläuft, bietet sich für einen entspannten Lauf an.

201401_trail_06Das war aber heute nicht meine Absicht. Meine Schuhe sollten dreckig werden und es sollte kurz und knackig zwei Mal die Hoppenbruch rauf gehen. Über die normalen Wanderwege, auf denen man den höchsten Punkt der Halde bequem erreichen kann, wollte ich nur herunter laufen, um ein paar km zu machen. Also wählte ich den etwas versteckten Zugang zur Halden, den man über die Hohewardstraße erreichen kann. Auf der Straße kann man gut parken und hat dann knapp 100m bis zum Fuß der Halde.

201401_trail_02Ab hier kann man auf unbefestigten Trampelpfaden laufen und je nach Wetter sind diese mehr oder weniger rutschig. In der Nacht hatte es noch etwas geregnet, also… Etwas vorsicht ist allerdings immer geboten, da die Halde offiziell für MTBs (Mountainbikes) freigegeben ist und einige Strecken entsprechend gekennzeichnet sind und für MTB Downhill genutzt werden. Auf den flacheren Strecken sollte es kein Problem sein, sich (Läufer und MTB Fahrer) früh genug zu erkennen. Ich würde einem Fahrer beim Downhill aber keinen Vorwurf machen, wenn er sich über mich beschwert – ich bin schließlich auf SEINER Strecke unterwegs. Trotzdem möchte ich die Halde über diese Wege möglichst schnell erklimmen, was für mich das erklärte Ziel meines Trainings an solchen Tagen ist. Die hohe Intensität bringt Härte (auch mental) und Kraft.

201401_trail_03Den Blick nach vorne gerichtet und ohne Musik geht es zunächst über einen laubbedeckten schmalen Pfad, eher flach, um ins Laufen zu kommen. Dann biege ich vom Trampelpfad auf die MTB Strecke und lasse in knapp 8 Minuten, auf etwa 800m Strecke, 60Hm hinter mir. Die Strecke windet sich und ist mit zahlreichen Steilkurven und Rampen versehen. Die Kurven nutze ich bei gutem Wetter, wenn es auf kürzestem Weg bergab gehen soll. Das hilft ungemein. Als ich einen der Wanderwege kreuze, kann ich auf dem Stück Strecke vor mir weiter oben einen MTB Fahrer sehen. Ich laufe, auch im eigenen Interesse, neben dem Pfad, so dass der Fahrer ungestört an mir vorbei fahren kann. Das sollte für heute mein einziger Gegenverkehr bleiben.

201401_trail_04Noch zwei steile Abschnitte sind zu bewältigen und ich merke langsam, wie die Muskeln in den Oberschenkeln anfangen zu brennen. Ich freue mich schon auf den zweiten Durchgang! Kurz vor dem Ziel wird die Böschung noch etwas steiler und kostet Willen, um nicht vom Laufen ins Gehen zu wechseln. Die Sohle der Schuhe greift gut und ich kann die Kraft sehr gut auf die Strecke bringen. Weiter oben wechselt der Untergrund von erdig zu steinig. Da, wo es besonders steil aufwärts geht, verkürze ich die Schritte weiter, um nicht zu viel Energie zu verschenken. Ich merke, wie mein Puls über die Obergrenze schrammt. Die hohe Intensität fordert ihren Preis. Ich komme mit dem Atmen nicht mehr ganz nach und höre mich schnaufen, wie eine alte Dampflok. Da ich weiß, dass es gleich vorbei ist, halte ich mein Tempo bei und ziehe durch. Mit einer letzten Anstrengung beende ich den letzten steilen Streckenabschnitt. Die letzte langgezogene Kurve verläuft wieder etwas flacher und ich kann vor dem Ziel meinen Atem wieder unter Kontrolle bekommen.

201401_trail_05Auf der Spitze, am Windrad, gönne ich mir eine kurze Pause und ein paar Schlucke aus meiner Trinkflasche. Es ist auch unangenehm windig und kalt, so dass ich keine Lust verspüre, länger dort zu bleiben. Der Abstieg beginnt über einen der Rundwege um die Halden in mäßigem Tempo. Wer freut sich nicht, ein paar Meter bergab zu laufen und bei schönem Wetter so richtig ins Rollen zu kommen. Teile der Strecke sind schlammig und fordern erhöhte Aufmerksamkeit, dass ich nicht wegrutsche. Die Ausweichmanöver fördern nebenbei die Muskulatur, die zur Stabilisierung des Laufs notwendig ist. Auf dem Rest der Strecke gleitet die Landschaft an mir vorbei und ich kann entspannt das Tempo halten. Das Verhältnis der Strecken von Aufstieg zu Abstieg beträgt für mich heute etwa 1:2 und bringt pro Durchgang gut 3km.

201401_trail_00Am Ausgangspunkt der ersten Runde ruhe ich mich für zwei Minuten aus und beginne erneut den Aufstieg. Da ich jetzt weiß, an welchen Stellen es rutschiger ist, kann ich mich besser darauf einstellen und auf dem Rest der Strecke mehr Tempo machen. Auf halber Strecke melden sich wieder die Musklen in den Oberschenkeln. Hilft nix, es ist nicht mehr weit, ich kann das Windrad schon sehen. Die letzten Meter ziehen sich und die Kurve bis zur Spitze will kein Ende nehmen. Dann ist es geschafft, ich stoppe die Uhr bei knapp über sieben Minuten. Fast eine Minute weniger als zuvor.

Auch den zweiten Abstieg genieße ich und überlege kurz, ob ich noch einen dritten Durchgang machen soll. Da ich derzeit aber keinen Wettkampf mit Höhenmetern vor Augen habe und es vorziehe vernünftig bis zur nächsten Trainingseinheit zu regenerieren, verwerfe ich den Gedanken und laufe zurück zum Auto.

Kurz vor Ende des Aufstiegs fühle ich mich jedes Mal, als wenn meine Oberschenkelmuskeln platzen und meine Lungen verbrennen, aber genau soll es sich anfühlen, sonst bin ich nicht zufrieden. Es gibt mir ein gutes Gefühl, mich verausgabt zu haben – einer der Gründe, warum mir u.a. CrossFit WODs so zusagen. Für mich ist das immer wieder ein willkommener Ausgleich, wenn die Woche viele Termine hatte. Mittlerweile ist mir der Spaß am Laufen wichtiger, als an Wettkämpfen teilzunehmen. Das heißt zwar nicht, dass ich keine Wettkämpfe mehr machen will – auch ich habe einige Highlights für 2014 geplant -, aber der Spaß soll an erster Stelle stehen. Wenn das Training dazu noch das gewünschte Ziel bringt, ist das doppelt so toll. Und Verbissenheit macht einfach keinen Spaß – nicht zu verwechseln mit Ehrgeiz!

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